Predigt beim „PIRKer Fest“

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Ab heute geht es rund! Unsere Mannschaft hat ihr Auftaktspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft. Die nächsten vier Wochen hat der Fußball wieder die Welt im Griff. Eine willkommene Abwechslung bei den schlechten Nachrichten, die ständig auf uns einprasseln. Und wir fiebern natürlich mit unserem Team! Vielleicht endlich mal wieder eine WM, wo wir mithalten können mit Frankreich, Spanien, Argentinien und Co. Hoffentlich gute, spannende Spiele. – Bei einem Länderspiel gibt es einen Moment, der mir persönlich unter die Haut geht. Wenn beide Mannschaften sich im Mittelkreis aufstellen, die 11 Namen der Spieler bekanntgegeben werden, und dann die Nationalhymne erklingt. Und die Kamera von einem Gesicht zum nächsten schwenkt. Man hat das Gesicht des Spielers voll im Blick. Die einen sind in sich gekehrt, die anderen singen die Hymne mit – und man spürt: Er will das Beste geben. Er will alles tun, damit seine Mannschaft gewinnt. Und er will alles geben, dass sein Team am Ende den Pokal holt.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Heute haben wir 12 Namen gehört. Keine Spieler, aber 12 Apostel. Auch sie haben ein großes Spiel vor sich, eine große Sendung. Sie sollen die Frohe Botschaft zu den Menschen bringen, predigen, heilen, Dämonen austreiben, sogar Tote aufwecken. Aber sie machen das nicht, weil sie einen Haufen Geld dafür kriegen. Sie machen es nicht für einen großen Titel und weil sie die besten sein wollen. Sie machen es – für die Menschen. So, wie Jesus für die Menschen gekommen ist. „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen.“ Jesus hat die Menschen angeschaut. Er hat gespürt ihre Nöte, ihre Ängste, ihre Sorgen, ihre Armut, ihre Krankheiten. Er hat gespürt, wie sie leiden. Jesus hat Mitleid. Deshalb nimmt er die schwere Ochsentour auf sich, um zu verkünden, zu heilen und Wunder zu wirken. Er will die Menschen erlösen, ihnen neues Leben schenken, eine neue Zukunft, und eine ganz große Hoffnung. Jesus will das Himmelreich bringen, den Frieden, die Gerechtigkeit, die Freiheit. Und genau das soll seine Mannschaft umsetzen, die 12 Apostel, und später die Kirche!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn vor einem Spiel die Namen bekanntgegeben werden, dann schüttle ich manchmal den Kopf. Wie kann der Trainer bloß den oder den aufstellen? Wenn wir die Namen der 12 Apostel anschauen, dann kann man auch den Kopf schütteln. Die meisten kennen wir gar nicht. Die sind überhaupt nicht durch besondere Leistungen aufgefallen. Und die wir kennen, haben bisher kein gutes Spiel abgeliefert. Petrus hat Jesus so oft missverstanden und sogar verraten. Jakobus war ein Angeber und eine Diva, die zur rechten Gottes im Himmel sitzen wollte. Thomas der Zweifler – sobald das Spiel schlecht läuft, läuft bei ihm gar nichts mehr, will er nicht mehr glauben. Und dann natürlich Judas Iskariot, der Jesus ans Messer geliefert hat. Und doch haben wir wegen dieses Teams heute eine Weltkirche: Dass aus diesen Aposteln echte Heilige geworden sind, echte Superstars, die die Botschaft Jesu in die ganze Welt hinausgetragen haben, ist eine Sensation!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Wir alle sind heute Teil der Mannschaft, Teil der Kirche. Unsere Kirche besteht nicht aus lauter Heiligen, wie eine Mannschaft nicht aus lauter Spitzenspielern besteht. Echte Stürmer, Reformer, haben wir nicht so viel. Eher mehr Verteidiger, die Reformen möglichst wenig zulassen wollen. Die meisten finden sich wohl eher im Mittelfeld wieder: Wo nötig, wird der Glaube verteidigt und bezeugt, wo möglich, wird aktiv das kirchliche Leben gestaltet und vielleicht mal was neues ausprobiert. Deshalb freut es mich, dass unsere Kirche heute am Dorffest so richtig offensiv geworden ist. Wir gehen nach draußen und zeigen, dass unser Glaube auch unsere Dorfgemeinschaft stärkt und bereichert. Das Schöne an Kirche: Jeder hat seit seiner Taufe einen festen Stammplatz, egal, wie stark oder schwach er glaubt. Amen!