Vom drohenden Ende zur Rettung: Der Pirker Frauenbund startet in eine neue Generation

„Eine Sensation“, so beschreibt Pfarrer Thomas Stohldreier, was sich kürzlich beim Frauenbund Pirk ereignete: 15 Neuaufnahmen auf einmal – und alle Frauen sind bereit, Verantwortung in der Vorstandschaft zu übernehmen. Ein solches Engagement habe er in seiner bisherigen Laufbahn noch nicht erlebt, sagt er. Noch beim 60-jährigen Jubiläum im Februar sah die Situation ganz anders aus. Der Frauenbund stand an einem Wendepunkt. Aus Altersgründen wollte der bisherige Führungskreis nicht mehr weitermachen. Schweren Herzens wurden Überlegungen angestellt, den Verein aufzulösen oder sich den Schirmitzer Frauen anzuschließen. Gegründet wurde der Frauenbund im Jahr 1966 auf Initiative von Pfarrer Gottfried Leibl, dem Seelsorger und Erbauer der Auferstehungskirche. Zur ersten Vorsitzenden wurde Therese Lorenz gewählt, die gemeinsam mit 70 engagierten Frauen den Grundstein für das Vereinsleben legte. Elisabeth Baldauf, die den Frauenbund ab Ende der 1990er Jahre über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg als Vorsitzende geprägt hat, erinnert sich an eine Zeit, in der das Vereinsleben blühte: „Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt waren immer das Wichtigste. Wir hatten bei unseren Veranstaltungen wie Adventsfeiern, Fasching oder die Maiandachten an der Schallerhütte stets ein volles Haus.“ Doch in den vergangenen Jahren wurde es zunehmend schwieriger. „Gerade seit Corona ist vieles zurückgegangen, viele Mitglieder sind in den letzten Jahren auch verstorben“, so Baldauf. Die Entwicklung habe Spuren hinterlassen und die Sorge um die Zukunft wachsen lassen. Die Suche nach Nachfolgerinnen blieb schwierig. Getragen wurde der Verein zuletzt von einem eingespielten Team um Christine Hofmann, Sonja Braun und Marille Fuchs. Über viele Jahre hinweg führten sie zusammen mit weiteren Damen des Führungskreises den Bund mit großem Einsatz und Verlässlichkeit. Auch für den scheidenden Führungskreis war die Situation belastend. Bei der Jubiläumsfeier habe sie bei den Ansprachen immer wieder einen Gedanken im Hinterkopf gehabt, berichtet Christine Hofmann: „Es hat sich fast ein bisschen falsch angefühlt, weil wir ja wussten, dass wir keine Nachfolger haben.“ Fast wie eine Abschiedsfeier, kommentiert Baldauf das Jubiläum. Mit dieser nachdenklichen Stimmung ging auch Angela Zintl nach Hause. Sie war viele Jahre im Pirker Frauenbund aktiv und auch als Bezirksvorsitzende tätig. Die Gedanken an ein mögliches Ende ließen sie nicht los. Diese Betroffenheit übertrug sich auch auf ihre Schwiegertochter Corinna Zintl. Was sie an diesem Abend hörte, ließ sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Dass all das einfach enden sollte, war für sie kaum auszuhalten. Sie fasste noch am selben Abend einen Entschluss, aus dem Gefühl heraus, dass es weitergehen muss, und aus Respekt vor dem, was Generationen vor ihr aufgebaut hatten. So wurde Corinna Zintl aktiv. Sie gründete eine Whatsapp-Gruppe, schrieb Freundinnen und Bekannte an und stieß auf eine Resonanz, mit der wohl niemand gerechnet hatte. „Ich habe einfach gespürt, das darf nicht enden. Wir wollten, dass es weitergeht“, beschreibt sie ihre Motivation. Bei der Jahreshauptversammlung wurde dieses Engagement dann sichtbar. 15 Frauen traten neu in den Verein ein und übernahmen gemeinsam Verantwortung in der Vorstandschaft, ein außergewöhnlicher Schritt, der den Frauenbund Pirk nun geschlossen in eine neue Zukunft führt. Auch eine schwangere Frau übernimmt das Amt der dritten Vorsitzenden. Ein Zeichen, das im Verein viel Anerkennung und Respekt ausgelöst hat. Gleichzeitig wurde ein erstes Jahresprogramm vorgestellt. Bewährte Traditionen sollen ihren Platz behalten, zugleich will die neue Vorstandschaft neue Wege gehen und frische Impulse setzen. Christine Hofmann zeigt sich erleichtert, dass man eine Lösung gefunden hat und der Frauenbund weiterbesteht. Nach den intensiven Bemühungen der vergangenen Monate sei es ein gutes Gefühl, die Verantwortung nun in neue Hände übergeben zu können. „Mich hat es närrisch gefreut, dass es weitergeht“, sagt Elisabeth Baldauf. Für die neue Vorstandschaft hat sie einen klaren Wunsch: „Dass sie gut zusammenhalten, dass die Gemeinschaft weiter wächst und viele junge Mitglieder dazukommen.“ So ist aus einer Situation, die beinahe schon als Abschied besiegelt schien, innerhalb kurzer Zeit ein neuer Anfang geworden, getragen von Mut, Gemeinschaft und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Leibls Nachfolger, Pfarrer Egid Mühlbauer, brachte die Bedeutung des Frauenbundes einst mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Ach, wie bin ich froh, dass ich bin kein armer Hund, denn ich hab den Frauenbund.“